~Abschied~

Veröffentlicht auf von p.

Noch 9 Tage.

Einem meiner Patienten geht's nicht gut. Im Laufe der Woche hat er so extrem abgebaut, dass er heute morgen im Bett bleiben wollte. Völlig abgekämpft, kaum noch Kraft, die Augen aufzuhalten. Die Atmung zwar noch regelmäßig, aber dezent brodelnd. Kalte Hände, kalte Füße.

Etwas über eine Stunde waren wir da, haben lange mit der Frau gesprochen und sie weinen lassen.

Etwas über 50 Jahre sind die beiden verheiratet, haben letztes Jahr von den Kindern noch einen Urlaub für diesen Sommer geschenkt bekommen. Alleine der Gedanke daran lässt die Frau immer und immer wieder in Tränen ausbrechen - sie weiß, dass sie diesen Urlaub nicht mehr gemeinsam antreten werden.

Gegen Mittag habe ich nochmal kurz mit der Frau telefoniert, um ein paar Dinge abzusprechen.

Sie bedankt sich für alles und verabschiedet sich mit den Worten, dass sie mir einen schönen Urlaub wünscht, dass sie sich gefreut hat, mich kennenzulernen und mir alles Gute für mein weiteres Leben wünscht .. da sie nicht davon ausgeht, dass wir uns nach meiner freien Zeit noch einmal sehen werden.

Telefonate, auf die ich gerne verzichten könnte.

Ein weiteres blödes Gefühl. In der normalen ambulanten Pflege kann ich quasi davon ausgehen, dass ich alle Leute nach einem Urlaub wieder sehe.

Wenn ich im Mai wieder zurück komme, werden wahrscheinlich dreiviertel der Palliativpatienten nicht mehr da sein ..

Wie verabschiede ich mich jetzt von den Leuten? Ein bis bald ist ausgeschlossen, ein auf Wiedersehen klingt seltsam, Tschüss ebenfalls. Mach's gut? Leb wohl?

Alles irgendwie ... blöd.

Veröffentlicht in ~@work~

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