~das Tuch~

Veröffentlicht auf von p.

Noch 47 Tage.

Ich werde wach. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es wieder einmal mitten in der Nacht ist. Warum sollte ich auch mal wieder ganz und ohne Unterbrechung bis zum nächsten Morgen durchschlafen können?

Beim Versuch, wieder in's Traumland zu wandern, driften meine Gedanken ab zu dem Buch, das ich am Abend angefangen habe zu lesen. Der Seelenbrecher von Sebastian Fitzek. Die ersten Seiten handeln von einer Frau, die zuerst gefoltert und später von einigen Sanitätern und einem Arzt in einem schäbigen Zimmer gefunden wird. Erst im Laufe der nächsten Minuten stellt sich heraus, dass diese Frau zwar alles sieht und hört, was um sie herum geschieht .. selbst jedoch nicht antworten oder auf irgendeine andere Weise reagieren kann. Was wurde ihr angetan, dass sie jetzt in so einem Zustand ist? Was ist passiert?

Während meine Gedanken noch um diese Frau kreisen, bemerke ich eine Art Tuch über mir. Es sieht irgendwie aus wie ein Tarnumhang .. bzw. so stelle ich mir das Ding bei Harry Potter immer vor. Es wirkt leicht, fast durchsichtig .. aber gleichermaßen dick und undurchdringlich. Letzteres stelle ich fest, weil das Tuch immer näher kommt, bis es schließlich auf mir liegt. Es fühlt sich seltsam an. Diese gefühlsmäßige Mischung aus leicht und schwer, undurchdringlich und durchscheinend .. das ist verwirrend. Ich mag das Tuch nicht und möchte es loswerden .. aber bevor ich diesen Gedanken in die Tat umsetzen kann, bemerke ich, wie dieses Ding sich noch fester um mich wickelt .. und schließlich wie durch meine Haut hindurch verschwindet und plötzlich in mir ist.

Es fühlt sich gruselig an .. völlig verkehrt. Ich bemerke, wie mein Blick immer verschwommener wird. Die Anzeige meiner Uhr kann ich schon nicht mehr lesen - lediglich ein paar schwach rötlich leuchtende Balken sind noch zu erkennen. Mein Gehirn fühlt sich an, wie in Watte gepackt. Geräusche dringen fast vollständig gedämpft an mein Ohr, der Schein der Straßenlaterne vor dem Fenster wirkt wie das Flackern einer Kerze.

Sekunden .. Minuten .. Stunden? später wird mein Blick wieder klarer. Die Uhr meines Radioweckers blinkt, ich habe keine Ahnung, wie spät es ist. Draussen ist es noch dunkel. Wieviel Zeit ist vergangen? Das seltsame Tuch ist verschwunden.

Meine linke Hüfte schmerzt vom langen Liegen auf der einen Seite. Ich möchte mich umdrehen .. stelle jedoch fest, dass ich mich nicht bewegen kann. Wie erstarrt liege ich auf der linken Seite, bin nichtmal in der Lage, mit den Zehen zu wackeln oder meinen kleinen Finger zu bewegen. Was ist mit mir passiert? Ich bekomme Panik, möchte schreien, um Hilfe rufen. Aber meine Zunge fühlt sich auf einmal zentnerschwer und doppelt so groß an. Ich kann meine Lippen öffnen .. aber heraus kommt kein Ton, egal wie sehr ich mich anstrenge. Eine Träne läuft mir über die Wange, kurz bevor mich gnädige Schwärze umgibt.

Mein Wecker kräht um viertel vor sechs. Der Blick auf die Uhr hilft mir heute morgen nicht wirklich. Die Anzeige blinkt, die leuchtend roten Striche sagen mir, dass es drei Uhr vierzig ist. Stromausfall? Mitten in der Nacht? Mit einem mulmigen Gefühl kletter ich aus dem Bett .. meine Knie sind weich, als wenn ich tagelang nur gelegen und mich kaum bewegt hätte ..

Veröffentlicht in ~traumhaft~

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Mika 03/12/2012 09:39

klingt recht unschön und ein bißchen creepy... hatte sowas ähnliches damals auch mal, das ist so ein Horror, den ich glaub nie vergessen werde.

Arminius 03/08/2012 18:58

wenn es dir mal zuviel werden sollte, oder du lieber nicht alleine sein willst ... ok ich wohn zwar nicht um die ecke, aber du weißt wo du mich findest.

ViaE 03/08/2012 04:11

Hmmm, du solltest entweder aufhören zu lesen...oder zu schlafen. Das klingt besorgniserregend.