~ein Besuch beim Zahnarzt~

Veröffentlicht auf von p.

Achtuhrfünfundvierzig, irgendwo in Deutschland. Die Polizei steht mit zwanzig Mann vor meiner Wohnungstür um sicherzugehen, dass ich den Termin beim Berufssadisten heute auch bloß wahrnehme. Nach einer ausgiebigen Schönheitspflege werde ich mit Hand - und Fußfesseln in den bereitstehenden Streifenwagen verfrachtet.

Pünktlich in der Innenstadt angekommen, begleiten mich noch zehn massiv bewaffnete Polizisten in die geheiligten Hallen meines Arztes, um mich dort an den bereitstehenden und im Boden verankerten Wartezimmerstuhl anzuketten. Die je fünfzig Kilo schweren Eisenkugeln werden ebenfalls an meinen Knöcheln festgemacht. Meine Mithäftlingewartenden beäugen mich mißtrauisch.

Eine eigentlich nette Dame mit Munschutz um den Hals begrüßt mich und behauptet, sie freue sich, mich zu sehen. Ich würde ihr ebenfalls gerne etwas nettes sagen, aber durch den Knebel gelangen nur gedämpfte Geräusche nach aussen. Der Chefsadist winkt mir aus der Entfernung zu - heute traut er sich wieder einmal nicht näher heran und teilt mich erneut seinem Assistenten zu, der immerhin die letzten Begegnungen auch schon überlebt hat.

Nach einiger Wartezeit, die seit neuestem nicht mehr in Minuten sondern in abgeknibbelten Fingernägeln und bis auf die Knochen entfernte Nagelhaut pro Finger bemessen wird, werde ich mitsamt meinen Eisenkugeln in's schallisolierte Behandlungszimmer verfrachtet, wo mir dann immerhin der Knebel entfernt wird.

Todesmutig betritt der Assistent den Raum und legt mir in einer wahrscheinlich beruhigend wirkend sollenden Geste die Hand auf die Schulter. Nur seine gut geschulten Reflexe verhindern ein Zuschnappen mit Fleischverlust meinerseits.

Wenige Minuten später steht die Diagnose - ein Loch hinter dem Schneidezahn. Gar nichts schlimmes an sich - wenn das Ding nicht so verdammt temperaturempfindlich wäre. Eine Kleinigkeit, meint Onkel Doktor. Er müsse auch nur ein klein wenig bohren. Die vor der Behandlungszimmertür postierten Polizisten können eine frühzeitige Flucht verhindern und stopfen mich erneut in den Stuhl. Immer noch lächelnd erklärt der Mensch im weißen Kittel, dass das wirklich eine Kleinigkeit sei .. und dass man das dieses Mal ja vielleicht auch ohne Betäubung versuchen ... Die beiden Polizisten vor der Tür umklammern meine Beine, können meine Flucht aber nicht stoppen. Erst an der Haustür gelingt es mit Hilffe von 4 weiteren großen Kerlen, mich aufzuhalten und in das Behandlungszimmer zurück zu schleifen.

Onkel Doktor hat es sich in der Zwischenzeit anders überlegt und nach einem weiteren, kurzen Temperaturempfindlichkeitstest, der ein lautstark kreischendes Ende findet, bekomme ich die erwünschte Betäubung. Tränen tränen aus meinen Augen, Onkel Doktor wirkt dezent mitleidig, bereitet aber trotzdem alles für den großen Eingriff vor. Die Betäubung erreicht meine Nase und bewirkt, dass ich mich anstatt auf die Flucht erstmal auf's Atmen konzentrieren muss.

Gefühlte zwanzig Stunden später darf ich mir den Mund ausspülen. Das Loch ist nicht mehr tastbar, da mein Kiefer allerdings gefühlt auf das fünffache seiner normalen Größe angeschwollen ist, kann ich mich nur bedingt freuen.

Fröhlich lächelnd erklärt mir Onkel Doktor, dass er sich freut, mich im August wiederzusehen. Jeder Diskussionsversuch meinerseits wird mit den Wimpern klimpernd abgewiesen - der Termin im August steht.

Vor der Tür lösen erleichtert wirkende Kerle meine Fesseln und verschwinden im Rekordtempo aus Angst vor einer Racheaktion.

Aber ich möchte nur nach Hause. Loch - und schmerzfrei. Immerhin.

Ja, ich mag Zahnärzte. Ehrlich.

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lavendelkinder 05/07/2013 23:47

Das ist aber ´ne fiese Möpp!!!

P. 05/07/2013 21:44

Der haut mich. Ich sag aua und schwupps sperrt der den Kiefer auf. Mit tonnenweise Watte inne Backe.

lavendelkinder 05/07/2013 20:30

Man muss da aber auch nicht den Mund aufmachen. Dazu kann einen niemand zwingen.