~Ein Besuch im Hospiz~

Veröffentlicht auf von p.

Noch 52 Tage.

Natürlich darf bei einer Palliativweiterbildung ein Besuch im Hospiz nicht fehlen. Unserer wunderbaren Dozentin sei dank sind wir dann auch nicht direkt in Köln gewesen, sondern haben ihren Schwager WasAuchImmer in Lohmar besucht, ein paar Kilometer weiter weg also.

hospiz3.jpgSieht man mal davon ab, dass ich laut Routenplaner in etwas über einer Stunde hätte da sein müssen, hat mich der Fahrweg heute morgen etwas über zweieinhalb Stunden gekostet, da die A46 unfallbedingt kilometerweit einfach nur verstopft war und ich einen riesigen Umweg über's Land fahren durfte. Ratingen, Mettmann, Velbert .. ich habe keine Ahnung, wo ich da genau gewesen bin. Zum Glück hatte ich bei maximal 15 km / h auch wirklich ausreichend Zeit, die Landschaft zu bewundern ...

Dazu war Tom dann noch der Meinung, nach der Autobahnabfahrt die Orientierung verlieren zu müssen, so dass ich minutenlang einfach in irgendeine Richtung gefahren bin, in der Hoffnung, mich nicht allzuweit von der Zivilisation zu entfernen. hospiz1.jpg

Irgendwann war es aber doch so weit, die Häuser wurden immer spärlicher - dafür aber auch immer schöner. Die Gegend wurde hügeliger und grüner und sogar blumiger .. ein Stückchen Frühling im tiefsten Winter. Und hinter einigen Ecken, da wo die Straßen langsam immer schmaler wurden, lag dann auch endlich das Ziel meiner heutigen Reise - das Elisabeth - Hospiz in Lohmar.

Der Rest der Truppe befand sich logischerweise schon irgendwo in den Tiefen des Hauses - immerhin war ich eine gute halbe Stunde zu spät dran. Glücklicherweise rannte mich unser Leiter für den heutigen Tag über den Haufen, bemerkte meinen suchenden Blick, rekrutierte mich direkt zum Wasserflaschentragen - zeigte mir im Gegenzug jedoch den Weg zu den Anderen.

hospiz2.jpgEin interessanter, wenn auch sehr kurzer Tag sollte es werde.

Nach einem kurzen Überblick über die Geschichte der Gründung des Hauses, dem Ausbau von erst fünf bis hin zu den jetzt sechzehn Zimmern, einer Zusammenfassung der Arbeit, der wirklich schon lange dort arbeitenden Mitarbeiter und einigen besonders erwähnenswerten Geschichten mit den Gästen, ging es dann auf zu einer Tour durch das Haus. Wir bekamen einige Zimmer zu sehen, die wirklich toll eingerichtet waren und genau den perfekten Mittelweg von Krankenzimmer und gemütlichem Zuhause gefunden haben. Die Flure waren allesamt verwinkelt, in einer Hausecke nicht mehr als drei Zimmer. Viele Sitzgelegenheiten, ein Aquarium, ein Wintergarten, der uns alle komplett sprachlos gemacht hat. Urgemütlich, wunderbar dekoriert mit vielen warmen Farben, kleinen Obstbäumchen, Brunnen, einer Schildkröte, vielen Stoffen, Kissen .. eine komplett andere Welt. hospiz4.jpg

Der Garten war genau so wunderschön - selbst jetzt im recht tristen Übergang vom Winter zum Frühling konnte man erkennen, dass es spätestens im Sommer ein wahrer Traum sein muss. Ein kleiner Teich, viele Blumen, ein kleiner Bach. Eine Art Pavillon am oberen Ende des Geländes. Einfach nur wunderschön.

Dazu die Ruhe - kein großer Straßenlärm, nur Vögel und Natur. Eigentlich ein Platz zum Urlaub machen und Entspannen .. und es fällt irgendwie schwer, sich in's Gedächtnis zu rufen, dass dies ein Ort ist, den die Gäste des Hauses nicht mehr lebend verlassen werden.

Die Atmosphäre in dem Haus lässt sich nur schwer beschreiben. Eine seltsame Ruhe herrscht dort - aber nicht die Ruhe, die es in Krankenhäusern oder so gibt, wo man sich nicht traut, lauter zu sprechen. Eher die Ruhe, wie sie in einem Wohnzimmer herrscht, wenn ein seit einem halben Jahrhundert verheiratetes Ehepaar gemeinsam auf dem Sofa sitzt und liest.

hospiz5.jpgEs gibt Sommerfest, Musikabende .. Tage, an denen es laut und trubelig zugeht. Weihnachten wird gemeinsam gefeiert, ebenso wie Ostern.

Die Gründerin des Hauses haben wir auch kurz gesehen .. eine fröhlich wirkende grauhaarige Dame mit einem völlig schief sitzenden Pferdeschwanz und großen Wollsocken. Alles irgendwie .. unwirklich?

Aber allein die Atmosphäre in dem Haus nimmt die Angst vor der Arbeit mit den Sterbenden. Eher sorgt sie dafür, dass einem der Streß auf den normalen Krankenhausstationen nicht mehr geheuer ist.

Ein Tag, der wirklich Eindruck gemacht hat. Der gezeigt hat, dass die Arbeit in der Palliativpflege gut und wichtig und wertvoll ist, für alle Beteiligten. Und für den sich selbst die lange Fahrzeit gelohnt hat.

Jetzt nur noch ein Mal nach Köln .. und auch dieses Kapitel ist erstmal abgeschlossen. Was kommt dann? Ich weiß es nicht ...

Veröffentlicht in ~@work~

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:

Kommentiere diesen Post