~Feuchtgebiete~

Veröffentlicht auf von p.

Noch 102 Tage.

Irgendwie war dieser Tag absoluter Mist.

Es fing damit an, dass ich wesentlich eher aufstehen musste als sonst, weil Lieblingsmutti einen Ausflug in die Niederlande machen wollte und ich die große Ehre hatte, sie dafür zum Bahnhof zu bringen. Mitten in der Nacht quasi. Aber als liebende Tochter tut man sowas natürlich auch ohne zu Murren. Mit Lieblingspapa hatte ich dann abgemacht, falls ich es schaffen sollte, noch eher aus dem Bett zu kommen, mich schon soweit fertig zu machen, dass wir anschließend direkt zu unserem samstäglichen Kaffeetrinken aufbrechen könnten, also eine Stunde eher als sonst üblich. Theoretisch. Aber alles unter Vorbehalt - ich kenne schließlich mich und meine Schlafgewohnheiten. Natürlich war ich noch nicht fertig, als er mich dann um acht anrief, wir hätten aber wie gewohnt um spätestens neun fahren können. Aber aus irgendeinem Grund (PMS?) zickte Papa am Telefon dann schon so sehr 'rum, dass mir akut die Lust auf den Kaffee abhanden kam. Knapp zwanzig Minuten Minuten später - Klein P. träumte unter der Dusche grad fröhlich vor sich hin - kam dann eine kurze sms vom Lieblingspapa .. er sei dann weg.

Okay .. dann zick halt. Weiß ich wenigstens, von wem ich diesen seltsamen Charakterzug geerbt habe. Dann geh halt alleine deinen Kaffee trinken. Keine Ahnung, was genau los war .. aber auf so'n Mist habe ich am Wochenende definitiv keine Lust. Eigentlich wollte ich vor'm Kaffee kurz zu ihm 'rüber und meine gewaschene Bettwäsche aufhängen .. spontaner Umentschluss - das Zeug trocknet bestimmt auf meinem Balkon genau so gut.

Tja .. und dann fing das Chaos an. Vor der Waschmaschine glänzte mir eine kleine Pfütze entgegen. Nicht viel .. aber gerade so viel, dass es ausreicht, um sich kurzfristig Sorgen zu machen. Flusensieb verstopft? Keine Ahnung .. aber selbst ist die Frau. Klappe auf, alle ausbaubaren Teile 'raus, saubermachen, fertig. Dummerweise entwischte mir bei dieser Aktion der nächste kleine Wasserschwall auf den Boden. Also trockenlegen. Kein Problem. Oder vielleicht doch? Im Schrank neben der Waschmaschine befinden sich sämtliche Putzklamotten, die Frau so brauchen könnte. Also auch Aufnehmer und dergleichen. Dumm wird es erst dann, wenn man den Schrank öffnet und feststellt, dass die Luft da drin irgendwie einem Feuchttropengebiet gleicht. Vergessen war das Wasser auf dem Boden .. woher zum Henker kam das Wasser im Schrank? Nähere Betrachtung der Details - eine feuchte Schicht im kompletten Schrank .. dazu ein komplett aufgeweichtes Paket mit Salz für den Geschirrspüler, ein komplett aufgeweichtes Paket Spültabs. Dezent feuchte Lappen und Tücher. Die ersten noch vergleichsweise harmlosen Flüche waren zu hören. Aber wer wäre ich denn, wenn sich das nicht noch steigern ließe? Aber erstmal den Schrank ausräumen. Ausräumen trifft es allerdings nicht ganz .. mit einer wütenden Handbewegung hab ich sämtliches Zeug aus dem Schrank gefegt. Geputzt war ja eh noch nicht. Ein leerer Schrank lädt zur noch genaueren Detailbeobachtung ein. Vielleicht war das auch mein Fehler. Ich hätte die Schranktür einfach schließen sollen und so tun, als sei alles in bester Ordnung.

Dummerweise war ich zu dem Zeitpunkt anderer Meinung .. und durfte feststellen, dass nicht nur die Schrankinnenseite irgendwie feucht war .. sondern dass es dort die ganze Zeit schon so feucht / nass gewesen sein muss, dass das komplette Holz im unteren Teil total aufgequollen und verzogen war. Blick zur rechten Seite - klar, das erklärt natürlich auch, wieso der Schrank irgendwie schief aussieht, wenn man die Waschmaschine daneben sieht. Das könnte auch erklären, wieso die Tür vom Geschirrspüler in den letzten Tagen irgendwie deutlich schwerfälliger war. Große Frage - ist nur der Schrank nass? Oder habe ich unter dem Schrank ein ähnlich nassen Problem? Und wie komme ich jezt unter den Schrank?

Eine Küche kann aufgebaut werden .. also kann eine Küche auch abgebaut werden. Irgendwie. Nach kurzer Tüftelei und diversen nicht jugendreifen Flüchen hatte ich dann auch die unterste Verkleidung ab und konnte einen Blick unter die Schränke werfen. Urgs. Die Verkleidung macht schon Sinn? Es gibt Dinge, die muss Frau nicht sehen. Positiv - alles trocken. Das bedeutet zumindest, mein Feuchtbiotop hinterlässt in der Küche keinen größeren Schaden. Negativ - verdammte Scheiße, wo kommt der ganze Staub her? Vergessen die Feuchtigkeit .. die ist nachher sowieso noch da. Also erstmal Staub putzen / wischen / schrubben. Dann kann man wenigstens ohne dauernde Niesanfälle unter den Schrank kriechen. Beim wischen noch'n Stöckchen gefreut .. es war wirklich alles trocken. Also zurück zum Schrank. Erstmal die Tür 'raus. Kein Problem. Am liebsten hätte ich dann das komplette Schrankinnenleben einmal ausgebaut .. theoretisch hätte das machbar sein müssen. Praktisch muss ich an irgendeiner Stelle irgendeine Schraube übersehen haben. Aber gut, vielleicht bekomm ich das auch so irgendwie trocken. Bleibt die Frage, woher kommt das Wasser?

Diverse Tests später war ich zumindest insofern beruhigt. dass die Waschmaschine als Fehlerquelle ausscheiden konnte. Eine kaputte Waschmaschine wäre der OberGAU gewesen - um die auszutauschen hätte ich nämlich wirklich entweder die Küche auseinander nehmen oder die Heizung abmontieren müssen. Blieben die Spülmaschine und diverse Wasserschläuche als Ursache. So wie's mittlerweile aussieht, ist der Schuldige wohl der Schlauch, der von der Spülmaschine kommt, da eine weitere Maschine mit Wäsche völlig problem - und pfützenlos durchgelaufen ist. Okay, pfützenlos stimmt nicht .. das war allerdings meine eigene Schuld. Wenn man die Waschmaschine schon auseinander baut .. sollte man wenigstens vor erneuter Inbetriebnahme darauf achten, dass auch wieder alle Teile an den Stellen sind, wo sie hingehören. Wenn man das nicht macht .. naja. Nass. Viel nass. Der Berg mit den klatschnassen Handtüchern entwickelte mittlerweile eine Art Eigenleben.

Aber zumindest die elektrischen Geräte scheinen fehlerfrei zu sein. Vielleicht kann ich morgen nochmal in Ruhe die Spülmaschine laufen lassen, damit ich sehe, wo das Wasser genau herkam .. ob der Schlauch an sich undicht ist oder ob's nur oben die letzte Dichtung war, die sich aus irgendeinem Grund noch ein ganzes Stückchen weiter anziehen ließ. Ich werde es sehen.

Anstatt einem gemütlichen Samstag hatte ich also das Vergnügen, stundenlang in der Küche zu liegen und zu putzen. Wirklich traumhaft. Sämtliche vielleicht - Pläne für den Tag waren also eindeutig für die Tonne.

Mittlerweile ist es Abend .. ich warte auf den Anruf, dass ich Lieblingsmutti abholen kann. Und danach verschwinde ich für mindestens zwei Stunden in die Badewanne.

Süßes am Rande - die Einladung von N. und O. zum Trostessen. O. wollte kochen und N. mich in der Zeit in den Arm nehmen. Das sind die Momente, wenn man wieder deutlich gezeigt bekommt, wie wichtig einem Freunde sein können.

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