~Verlust~

Veröffentlicht auf von p.

Noch 134 Tage. Soviel zu den positiven Gedanken an diesem Tag.

In Wirklichkeit beschäftigt mich aber etwas ganz anderes. Ich weiß, dass meine Eltern nicht mehr die allerjüngsten sind, auch wenn sie eigentlich in einem durchaus noch lebensfähigen Alter sind. Trotzdem ist das Schlimmste was ich mir vorstellen kann, dass sie irgendwann nicht mehr da sein werden.

Der Gedanke alleine ist schon ziemlich grauselig. Der absolute Horror wäre es allerdings, wenn mich beide fast zeitlichgleich verlassen würden. Ich will an sowas gar nicht denken, denn wenn ich es tue, könnte ich mich direkt in die Sofaecke quetschen und tagelang heulen.

Ich komme auf so komische Ideen aber auch nur, weil es jetzt einem DLRG - Bekannten passiert ist.

Eigentlich hatte er in der letzten Zeit endlich mal Glück. Nach komischen Verliebtheitsphasen hat er wohl endlich das Mädel gefunden, mit der er glücklich ist - egal, was alle anderen davon halten. Nachwuchs ist mittlerweile auch schon da, eine eigene Wohnung haben sie sich endlich genommen und im nächsten Monat sollte dann die Hochzeit stattfinden.

Sollte. Wäre nicht vor einigen Tagen der Vater plötzlich verstorben. Laut Aussagen ein Herzinfarkt, während er mit dem Hund draussen war. R. wunderte sich noch, wieso sein Vater so lange unterwegs und eigentlich schon viel zu spät dran war. Seine Fast - Frau war es dann, die als Erstes erfuhr, was passiert war, weil sie quasi in die Menschentraube mitsamt Notarzt und Polizei 'reinrannte. Jede Hilfe kam in diesem Fall zu spät.

Das alleine ist schon übel genug .. zusätzlich kam dann hinzu, dass die Mutter zur gleichen Zeit wohl im Krankenhaus lag, auch sie hatte irgendeine OP vor der Brust. Die Nachtricht, dass ihr Mann verstorben war, hat sie scheinbar noch relativ gut verarbeiten können in dem Moment .. aber ein paar Tage später, die Beerdigung hatte noch nicht stattgefunden, starb sie im Krankenhaus, wohl ebenfalls an Herzversagen.

Jetzt werden beide Beerdigungen zusammen gelegt, die Hochzeit erstmal verschoben und R. steht vor einem fast leeren Haus, in dem jetzt nur seine Oma noch lebt und hat mit einem Mal beide Elternteile verloren.

In solchen Momenten fehlen mir einfach nur die Worte, denn egal was man sagt oder tut, es kann den Schmerz nicht verringern. Es lag keine langwierige Krankheit vor, dass man sich noch mit diesen seltsamen Aussagen wie "so wurde ihm / ihr ein längeres Leiden erspart" über Wasser halten könnte. Beide Eltern, relativ plötzlich aus dem Leben gerissen, so dass er nicht einmal Zeit hatte, sich von dem einen Verlust zu erholen.

Ich wünschte mir, ich könnte ihm irgendwie helfen .. aber wie?

So egoistisch es auch in diesem Moment klingt .. aber das sind die Geschichten, die mich einmal mehr darum bitten lassen, meine Eltern möglichst lange bei mir behalten zu können. Egal, wie schräg die beiden manchmal sind.

Solche Geschichten machen mich nachdenklich .. und es wird einem wirklich bewusst, wie gering die Probleme sind, mit denen man sich tagtäglich herumärgert. Gegen so einen Schlag ist das tägliche Chaos ein Klacks und schon fast nicht mehr erwähnenswert.

Aber auch das hilft R. jetzt nicht weiter.

Ich wünsche mir einfach nur für ihn, dass er mit Hilfe seiner Fast - Frau und dem Kind und seiner Oma irgendwie den Boden unter den Füßen wieder findet und genug Kraft bekommt, um die nächste Zeit zu überstehen.

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p. 06/15/2011 20:57


Eben .. man kann es überhaupt nicht vergleichen, kommt sich angesichts solcher Tiefschläge aber wirklich blöd und unddankbar vor, über was man sich so aufregt oder was einen scheinbar
runterzieht.
Und ehrlich gesagt wüsste ich nicht, wie ich mit so einer Geschichte fertig werden sollte. Nichtmal ansatzweise :-(


Mika 06/15/2011 17:38


Angesichts solcher Tragödien verschlägt es einem immer wieder die Sprache. Und ich ärger mich - zu recht - wieder über mein blödes Mimimi heute wegen Nichtigkeiten. Ok, man kann nicht immer
vergleichen - aber trotzdem.
Ich wünsch R. unbekannterweise viel Kraft, um mit diesem Schlag umzugehen. Weiß nicht, wie und ob ich das könnte. Um ehrlich zu sein, will ich nichtmal drüber nachdenken.
Shit... mein herzlichstes Beileid.