~Was soll man glauben? Teil II~

Veröffentlicht auf von p.

Am Donnerstag oder Freitag vor seiner Abreise nach München erzählte er dann auf einmal von seinem Onkel. Irgendwas mit schlechten Blutergebnissen, eventuell Krebs .. ich weiß es nicht mehr genau. Man muss dazu sagen, dass seine Familie mit Krebserkrankungen schon ihre Erfahrung gemacht hat und laut seiner Erzählung mehr als einen durch diese Krankheit verloren hat. Ein großes Chaos in der Familie, alle mit den Nerven völlig am Ende .. und er würde jetzt erstmal nach Meppen fahren, um dort mit seiner Mutter seiner Tante beizustehen.

Das Wochenende verbrachte er also in Meppen bzw. Münster, da der Onkel dort in der Uniklinik liegen sollte. Zwischendurch erfolgte ein kurzer Anruf, um sie kurz über den Stand der Dinge zu informieren. Laute Hintergrundgeräusche waren dabei hörbar - es klang wie im Hochsommer in südlichen Ländern, wenn die Straßenränder mit Grillen bevölkert sind. Aber er war ja nicht im Süden - er stand zum Telefonieren nur in irgendeinem Schlosspark. Aha. Am Sonntag machte er sich dann doch schliesslich mit schlechtem Gefühl wie er sagte, auf den Weg nach München. Sein Hund sollte übrigens bei der Mutter bleiben .. er hätte in München kein Hotel oder ähnliches gefunden, wo er den Hund hätte mitnehmen können.

Er ist ein Vieltelefonierer. Die beiden telefonieren täglich so lange und oft miteinander - auch wenn sie sich täglich sehen - dass die Telefongesellschaft wahrscheinlich einen Riesenumsatz machen würde .. gäbe es keine Flatrate. Nur ausgerechnet an dem Tag, an dem er mit solchen Problemen belastet den langen Weg nach München fährt, meldet er sich kein einziges Mal? Kein einziger Anruf während der Fahrt und wenn ich mich recht erinnere nur eine kurze Nachricht, dass er angekommen sei.

In der Zwischenzeit war das komische Gefühl bei ihr zu einem so ausgewachsenen Knoten im Magen geworden, dass sie trotz dem Ernst der Situation nur daran denken konnte, dass er jetzt die perfekte Ausrede hatte, um seinen Urlaub auf zwei Wochen zu verlängern und niemand im ernsthaft böse sein könnte. Damit würde dann seine Abwesenheit im Büro genau zu dem Zeitraum auf der Buchungsbestätigung passen. Ein Anruf in der Uniklinik machte es nicht besser - der Name des Onkels war dort nicht bekannt, so einen Patienten gab es nicht. Mhm.

Er meldete sich am Montag wieder, erzählte von der Fortbildung und Neuigkeiten von seinem Onkel .. und dass er bei dem schönen Wetter sogar schon etwas Farbe bekommen hätte. Während einer Fortbildung? Wenn man normalerweise davon ausgeht, dass so etwas in geschlossenen Räumen stattfindet? Mhm..

Die nächsten Tage folgten sporadische Nachrichten, wesentlich weniger als gewohnt, auch telefonierten die Beiden kaum miteinander. Er musste mittlerweile mitbekommen haben, dass sie wieder misstrauisch geworden war .. jedenfalls führten beide per Telefon Mittwoch oder Donnerstag ein Gespräch, in dem sie ihm von dem Zettel erzählte, der unter seiner Schreibtischunterlage lag - eine Adresse aus Kroatien. Die Beiden redeten von ihrem Kopfkino, was sie ihm quasi gerade unterstellen würde. Komischerweise reagierte er recht gelassen, keine Vorwürfe oder Beschimpfungen, eher nachsichtiges verbales Kopftätscheln - und damit hatte sich die Sache erledigt. Ausserdem sei er ja am Wochenende wieder da, dann könne man in Ruhe über alles Reden.

So wirklich konnte man ihm das aber nicht glauben .. und sie beschloss abzuwarten, ob er am Wochenende wirklich wieder da sein würde. Allerdings glaubte sie schon nicht mehr daran.

Am Wochenende machte er sich wieder auf den Weg nach Hause, konnte aber auch auf der Fahrt nicht telefonieren - Stau, Sturm, Gewitter und Hagel und ein nicht funktionierender BluetoothKopfhörer machten das Telefonieren während der Fahrt wieder unmöglich - vom sms schreiben konnte es ihn aber nicht abhalten.

Ein kurzer Zwischenstop zuhause, um dann am Sonntag direkt wieder nach Meppen zu fahren, um dort nach seinem Onkel und den Anderen zu sehen.

Am Sonntag Abend kam es dann, wie es scheinbar kommen musste - die Frage seinerseits, ob sie damit ein Problem hätte, wenn er noch einige Tage bei seiner Familie bleiben würde. Dem Onkel würde es gar nicht gut gehen, es war die Rede von Intensivstation und irgendwelchen Operationen und er würde jetzt gerne bei seiner Mutter und der Tante bleiben.

Sie versuchte, sich nichts anmerken zu lassen und versicherte ihm, dass das doch kein Problem sei, sie hätte da Verständnis für. Montag und Dienstag folgten weitere Anrufe in der Uniklinik, um nach der Anwesenheit des Onkels zu fragen - mit jeweils negativem Ergebnis. Nein, diesen Mann gab es in der Klinik nicht, Namensverwechslung oder andere Klinik ausgeschlossen.

Die erste Info war, dass er spätestens Mittwoch abend wieder zuhause sein wollte, damit sie wenigstens noch zwei Tage frei machen könne. Immerhin wäre diese Woche ihre freie Woche gewesen. Komischerweise hatte er am Sonntag beim Chef bereits bis Freitag um freie Tage gebeten. Dienstag kam dann während eines Telefonats die Information, dass er doch gerne noch länger in Meppen bleiben würde - dem Onkel ginge es zwar schon besser, aber es stünde noch eine Operation am Mittwoch an, die aber durchaus noch verschoben werden könne - schliesslich sei das eine Uniklinik, da kämen ja auch sehr oft Notfälle dazwischen - Messerstechereien und so.

Sie geht mittlerweile davon aus, dass er im Laufe des heutigen Tages anrufen wird, um ihr zu sagen, dass die Operation verschoben werden musste.

Nette Geschichte noch aus der Zwischenzeit - ein Anruf bei seiner Mutter um herauszufinden, ob sie weiß, wo ihr Sohn ist - bei dem sich eine Dame am Telefon meldete, sich als seine Mutter ausgab und anschliessend ihn anrief, um ihm davon zu erzählen. Lustigerweise sei das aber die Oma gewesen, die nur rein zufällig zu der Zeit in der Wohnung der Tochter war, um dort die Blumen zu giessen. Die Tochter - also seine Mutter - ist ja schließlich auch zur Zeit in Meppen.

 

Stellt sich jetzt also die Frage .. was soll man glauben? Gibt es wirklich so kranke Menschen, die eine Krebserkrankung ihres Onkels vortäuschen, nur um sich 'ne Frau warmzuhalten und um in Urlaub fahren zu können? Oder ist sie einfach nur paranoid und es kommen wirklich nur sämtliche dummen Zufälle und noch dümmeren Äusserungen zusammen?

Ich habe immer noch keine Ahnung .. ich möchte ihm nichts Böses unterstellen, halte die ganze Geschichte aber für zu merkwürdig, um an Zufälle zu glauben. Andererseits finde ich es sehr übel und absolut unbegreiflich, wie jemand, der selbst mit Krebskranken Menschen arbeitet, solche Geschichten erfinden kann. Das kann doch eigentlich nicht sein .. oder?

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Frau G. 07/20/2011 12:31


Ich sag nur: "Abschiessen" den Mann, aber schnellstens. Irgendwann kommt der nicht mehr klar mit seiner ganzen Lügenverstrickerei.
Nach der Frage warum?? Tja... Weil er sich für keine der Beiden wirklich entscheiden kann.
Schlimm, dass die zusammen arbeiten.
Das "verkompliziert" die Sache :_(