~die armen, armen Verkäufer/innen~

Veröffentlicht auf von p.

Noch 79 Tage.

Weil heute Samstag ist und ich sowieso eine ziemlich bescheidene Nacht hinter mir habe, kann ich mich heute auch gleich dem absoluten Reizthema der letzten Tage bei mir widmen.

Es geht um die verkaufsoffenen Sonntage in Bochum. Der Rat der Stadt hat in den letzten Tagen darüber abgestimmt, ob die dreizehn beantragten Sonntage genehmigt werden oder nicht. Wie auch immer es dazu gekommen ist - der Antrag wurde abgelehnt. Ab hier gehen die Meinungen dann weit auseinander. Auf der einen Seite die Unterstützer der ach so armen Verkäuferinnen, denen ein paar familienfreundliche Sonntage geklaut werden sollen .. auf der anderen Seite alle anderen, die den Sonntag als willkommene Abwechslung sehen.

Zur Erklärung - es ging nicht einmal um dreizehn Sonntage im kompletten Stadtgebiet, sondern um insgesamt dreizehn Tage, wobei auf jeden Stadtteil vielleicht zwei oder drei Sonntage kamen. Wenn also nicht gerade Geschäftshüpferinnen dabei waren, die jede Woche in einer anderen Filiale arbeiten, hätte es jede Verkäuferin maximal drei Sonntage im Jahr gekostet. Drei Tage, um die jetzt so ein Theater gemacht wird, als würde man die Leute in jahrelange Sklaverei zwingen und ihnen dabei nur Wasser und Brot zum Überleben geben.

Ab diesem Punkt ungefähr spüre ich auch meinen Blutdruck, der sich durch lautes Pochen meiner Halsschlagader bemerkbar macht. In jeder Diskussion zu dem Thema, die ich gelesen habe, ging es nur um die Tatsache, dass man den armen Verkäuferinnen doch ihre Sonntage nicht wegnehmen könne. Schließlich würden sie ja sonst auch hart genug arbeiten. Okay, das mag sein. Aber was ist mit allen anderen, die sonntags nicht zuhause sein können? Die üblichen Verdächtigen aus Krankenhäusern, Altenheimen, Polizei und Rettungsdiensten, Radio - und Fernsehmenschen, Leute aus der Gastronomie, von Tankstellen, Kino, Freizeitparks, Schwimmbädern, Museen, Tierparks .. dazu noch sämtliche Bereitschaftsdienste von Sanitärfirmen, Schlüsseldiensten, Pannenhilfen .. ich mag gar nicht alle aufzählen.

An dieser Stelle folgte dann oft das Argument, wenn man im Krankenhaus oder so arbeitet, dann hätte man sich seinen Beruf ja ausgesucht und sich freiwillig auf die Arbeitszeiten am Sonntag eingelassen. Genau. Und jeder Student oder jede Hilfskraft in der Gastronomie oder im Kino oder in diversen Parks arbeitet auch bestimmt freiwillig dort, weil das Leben ansonsten viel zu langweilig und unausgefüllt ist.

Die Leute aus dem Einzelhandel haben immerhin noch diverse Feiertage im Jahr, an denen sie zuhause bleiben können. Ostern, Pfingsten, Weihnachten, Neujahr und ich weiß nicht, wie viele Feiertage da noch sind. Auch an solchen Tagen müssen andere arbeiten gehen, die sich das so bestimmt nicht ausgesucht haben.

Schön ist auch immer das Familienargument. Man klaut den Leuten aus dem Einzelhandel ja die Möglichkeit, den Sonntag im Kreis der Familie zu verbringen. Wie gesagt, wir reden immer noch von drei Sonntagen im Jahr! Ich hoffe einfach mal, dass die Leute, die die Klappe in dem Fall so groß aufreißen, den Sonntag auch wirklich mit der Familie verbringen. Also nix mit Fußball, Café mit der Freundin, Sauna mit dem besten Kumpel. Familie bitte.

Vielleicht sollten einfach mal alle Leute auf ihren freien Sonntag pochen. Vielleicht zu Probezwecken einfach mal drei komplett freie Sonntage ihm Jahr? Also drei Sonntage, an denen man kein Eis essen kann, nicht schwimmen gehen kann, kein Radio hört, nicht tanken kann, keine frischen Brötchen bekommt .. sondern an denen man einfach mit der Familie zuhause sitzt. Ich ignoriere Krankenhäuser und Co jetzt mal absichtlich - denn drauf möchte, wie auf alles andere, natürlich niemand verzichten, nicht wahr? Wäre doch schlecht, wenn man den Sonntag auf einmal im Altenheim bei der Mutter verbringen muss, weil das Pflegepersonal frei hat. Hach, aber ich vergaß. Die Pflegekräfte haben sich das ja vorher selbst ausgesucht.

Natürlich muss niemand am Sonntag einkaufen gehen. Klar kann ich meine normalen Einkäufe auch in der Woche irgendwie erledigen. Aber es redet auch niemand von den normalen Supermärkten, sondern von den anderen Geschäften, in denen man einfach mal bummeln kann. Bei uns gab's einen offenen Sonntag meist in Verbindung mit der kleinen Kirmes hier im Stadtteil - es zieht viele Menschen auf die Straße und es ist wirklich für alle etwas dabei. Ja, sogar für Familien, die den Tag zusammen verbringen und erst auf der Kirmes und dann in den Geschäften sind. Und was ist mit den Leuten, die in der Woche aufgrund bescheidener Arbeitszeiten keine Chance haben, mal in die Stadt zu fahren? Was ist vielleicht mit erwachsenen Kindern, die mit ihren Eltern gerne einen Tag in der Stadt verbringen möchten, die aber zu weit weg wohnen, um so etwas in der Woche zu machen?

Ich finde, die Stadt schießt mit so einer Entscheidung das absolute Eigentor und vertreibt alle potentiellen Sonntagskäufer erstmal in die Nachbarstädte. Es gibt zwar diejenigen, die Bochum jetzt auf dem Vorreiterposten sehen - komischerweise sind da irgendwelche kirchlichen Typen wieder ganz weit vorne - aber selbst Leute aus dem Einzelhandel sehen das Ganze mehr als mittlere Katastrophe für eben diesen.

Irgendwie habe ich große Lust, wenn ich demnächst auf jemandem aus dem Einzelhandel treffen sollte, dem die Pflege für seine lieben Angehöringen für den Sonntag selbst auf's Auge zu drücken. Dann kann ich mich wenigstens auch um meine Familie kümmern.

Ja, ich bin von dem Thema deutlich angepisst. Merkt man das etwa?

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P
... und um keine anderen "Anlässe" ging es. Die offenen Sonntage hier sind meist in Kombination mit irgendwas anderem gewesen .. und halt auch nur in dem jeweiligen Stadtteil. Die Geschäfte, die<br /> "weiter weg" liegen, haben sich nichtmal daran beteiligt.<br /> Würde mich gerne abregen .. aber das funktioniert hierbei erstaunlicherweise wirklich nicht .. auch wenn du arbeitest ;)
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V
Nö, merkt man fast gar nicht...^^<br /> <br /> Das "Argument" mit den armen VerkäuferInnen ist doch nur vorgeschoben. Keine Sau interessiert sich für die, meistens nichtmal sie selber.<br /> Fakt ist, dass solche verkaufsoffenen Sonntage nur dort etwas bringen, wo tatsächlich auch was los ist -gleichzeitige Veranstaltungen, grosse Einkaufsstrassen oder -zentren, vor oder an Feiertagen<br /> etc.<br /> Die Mehrkosten können kleinere bzw. abseits gelegene Läden nicht reinbekommen, daher wehren sie sich dagegen.<br /> Wie gesagt, an die Verkäufer denken die mit Sicherheit zuletzt.<br /> Kannst dich wieder abregen...ich arbeite übrigens jeden Sonntag(na gut, jeden anderen Tag auch)
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