~Was soll man glauben? Teil I~

Veröffentlicht auf von p.

Ich habe eine Weile überlegt, ob ich Nachfolgendes wirklich schreiben soll - schon alleine, weil es eine ganz üble Geschichte ist, sollte da auch nur ein Fünkchen Wahrheit dran sein. Zum Anderen ist es dann doch schon ziemlich privat und geht über die üblichen Motz - Geschichten auf der Arbeit deutlich hinaus.

Aber irgendwie brauche ich auch grad einfach mal eine Ecke, an der ich meine Gedanken selbst mal sortieren kann, denn so langsam aber sicher verliere ich den Überblick und weiß selbst nicht mehr, was ich noch glauben soll.

In meinem Problem spielen Männlein und Weiblein die Hauptrolle, wie sollte es auch anders sein. Die Beiden sind sich zwar nie so ganz einig, ob sie denn jetzt offiziell zusammen sind oder nicht, aber zumindest verstehen sie sich blind und würden an sich auch ein recht schnuckeliges Paar abgeben. Sie können sich theoretisch alles erzählen, haben den gleichen bösen Humor und verstehen sich fast blind.

Sie können sich theoretisch alles erzählen .. denn praktisch ist nicht mehr so ganz klar, wann oder ob und wie oft er die Wahrheit gesagt hat in seinen Lebensgeschichten. Momentan ist irgendwie gar nichts mehr klar und es wird so ziemlich alles in Frage gestellt, was er im letzten Jahr alles von sich erzählt hat. Alleine dieses Misstrauen wäre schon ein Grund, es niemals zu einer wirklichen offiziellen Beziehung kommen zu lassen. Aber man glaubt ja an das Gute im Menschen .. oder?

Seit ein paar Monaten arbeiten die beiden im selben Büro zusammen, seitdem hat sich ihre quasi - Beziehung noch intensiviert und man hat einen etwas größeren Schritt Richtung Paarleben gemacht. Vorsichtig. Beide haben ihre Altlasten, wenn man sie so nennen kann - er kennt ihren Exfreund, sie weiß über einige seiner Exfreundinnen bescheid und warum die Beziehungen jeweils in die Brüche gegangen sind.

Irgendwann nach wenigen Wochen gemeinsamer Arbeitszeit fand sie dann in ihrem Schreibtisch eine Weihnachtskarte aus dem letzten Jahr, eindeutig an ihn adressiert und mit einem Inhalt, der leicht verwirrend war. Es war von einer schweren Zeit die Rede, die ja dann bald endlich zuende sei, ausserdem würde die Kartenschreiberin ihn ja lieben und sich freuen, bald mit ihm zusammen zu ziehen. Weihnachten? Letztes Jahr? Schon komisch .. denn laut seiner Aussage war seine letzte Beziehung irgendwann vor acht Monaten - also irgendwann letztes Jahr im September oder Oktober. Wo kommt dann jetzt so eine Karte her?

Sie war nach diesem Fund deutlich angepisst und schon weitaus weniger vertrauensvoll als vorher. Dummerweise kam sie in der nächsten Zeit nicht wirklich dazu, ihn auf diese Karte anzusprechen, fand stattdessen in seinem Portmone ein Foto von irgendeiner anderen Frau und in seinem Handy ziemlich seltsame Nachrichten, die sämtlich mit Kuss oder ähnlichem endeten. Nein, es war nicht die feine Art, einen Blick in sein Portmone oder sein Handy zu werfen. Aber die Gelegenheit war günstig und das vorsichtige Misstrauen durch die Karte immer noch vorhanden.

Jetzt eindeutig sauer entschloss sie sich, doch endlich mit ihm zu reden. Am Ende des Gesprächs hatte er ihr die Geschichte einer anderen Kollegin erzählt, mit der er wohl am Jahresende quasi zusammen war, die aber auch schon zu schnell zu viel wollte und er deswegen die Beziehung auch direkt wieder beendete. Aha. Ausserdem - wenn die Karte aktuell oder so wichtig sei, dann hätte er sie ja wohl kaum im Büro liegen lassen. Sie war halbwegs beruhigt, ein komisches Gefühl blieb - warum hatte er aus dieser Geschichte und dieser Frau vorher so ein Geheimnis gemacht? Ein vorsichtiger Waffenstillstand kehrte ein .. bis sie wenige Tage später eine weitere Karte fand - irgendwann im Februar geschrieben. Eine weitere Liebeserklärung, wie toll er sei, wie groß ihre Liebe wäre und wie froh sie sei, mit ihm glücklich zu sein. Es war die gleiche Schrift wie in der Weihnachtskarte. Es stellte sich akut die Frage, was er unter einem sofort oder direkt versteht, da der Februar bekanntlich zwei Monate nach Weihnachten kommt. Das vorher leicht unterdrückte Misstrauen meldete sich wieder.

Es stellte sich die ganzen Zeit nur die Frage, wenn er wirklich eine zweite Frau nebenher hat .. bzw. zur Zeit in einer Beziehung ist .. warum verbringt er dann so viel Zeit mit ihr? Sie gehen zusammen einkaufen, er lernt ihre Schwester und ihre Nichte kennen, sie sitzen Ewigkeiten zusammen im Büro und machen eine Überstunde nach der anderen, telefonieren so viel miteinander wie es sonst nur beste Freundinnen können. Wo passt da noch eine Hauptfreundin hin? Und vor allem - wozu dann der ganze Aufwand? Wenn es eine reine Fi**Beziehung gewesen wäre, okay .. aber mit der muss man doch dann nicht so viel Zeit verbringen? Und wenn es darum geht, sich auf der Arbeit einen netten Tag zu machen, während sie arbeitet .. auch dazu hätte man keine Lügen erzählen müssen. Wer sollte das verstehen?

Es folgte eine Zeit mit ewigem Auf und Ab. Ein ständiger Wechsel zwischen das passt, ich bin glücklich und ich traue ihm nicht über den Weg.

Eine ganze Weile war nun schon bekannt, dass er im Juli für eine Woche zu einer Fortbildung nach München wollte. Sie sollte in dem Zeitraum die Büroarbeit übernehmen, alles war schon abgesprochen und überhaupt kein Problem.

Es kam die erste Woche im Juni, in der er Urlaub hatte. Normaler Urlaub, noch keine Fortbildung. Während dieser Woche entdeckte sie bei ihm auf dem Pc - den sie während seiner Abwesenheit nutzen musste - eine eingescannte Buchungsbestätigung für eine Ferienwohung in Kroatien. Der Zeitraum deckte sich zumindest zur Hälfte genau mit dem Datum, zu dem er eigentlich seine Fortbildung angegeben hatte. Und dummerweise war dann auch noch die Schrift auf der Bestätigung die gleiche Schrift wie in den beiden Karten.

Seltsamerweise hatte er bisher nur um die eine Woche frei gebeten, das war das Einzige, was sie daran hinderte, direkt alles kurz und klein zu schlagen. So biss sie sich auf die Zunge und versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. Es wurden Vermutungen geäussert, wieso er so eine Buchungsbestätigung auf dem Rechner hat, an den Haaren herbeigezogene Begründungen .. man möchte ihm ja nichts böses unterstellen. Ausserdem sei es unsinnig, zwei Wochen eine Ferienwohnung zu buchen, wenn er nach einer Woche wieder im Büro sein müsste. Ausserdem war da ja noch sein Hund, den er abgöttisch liebt und der auf keinen Fall alleine zuhause bleiben sollte - dummerweise waren in der Ferienwohnung jedoch keine Hunde erlaubt. Alles irgendwie unlogisch und nichts passte zusammen .. auch wenn der nächste gemeinsame Einkauf schon wieder für ein weiteres Magengrummeln sorgte - er kaufte zwei Paar Strandbadeschwimmschuhe (oder was auch immer), auf jeden Fall je ein Herren - und ein Damenpaar. Die Ferienwohnung im Hinterkopf fragte sie noch nach und bekam als Antwort, dass die Schuhe für seine Mutti und ihren Freund seien, die würden bald in Urlaub fahren. Ausserdem habe er ja die gleiche Schuhgröße wie der Freund, könne deswegen die Schuhe anprobieren. Aha. Wie praktisch.

Der Zeitpunkt der Fortbildung nahte .. und einige wenige Tage vorher wurde dann die Geschichte mit seinem Onkel akut...

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