~von Pokalen, Göttern und tauben Nachbarn~
Noch 85 Tage. Die Sonne knallt. Die Frisur sitzt wie immer nicht. Aber wen interessiert das?
Nach knapp drei Tagen habe ich mich jetzt auch von Samstag erholt. DFB - Pokalspiele sind einfach nichts für mich, dafür gehöre ich definitiv dem falschen Verein ein. Normalerweise ist für den VfL in der ersten Runde Schluss, dabei ist es auch völlig egal, wie der Gegner heißt und ob er in der Bundesliga oder in der achthundertvierundzwanzigsten Liga spielt. Egal, ob man von Orten mit diesem Namen schon irgendwann einmal gehört hat oder nicht - Bochum verliert.
Dann gibt's natürlich noch diese Quoten - Alibi - Siege, die so alle paar Jahre mal stattfinden. Dann gewinnt sogar der VfL die erste Runde und wandert direkt durch's Gefängnis, streift das Los und kassiert ein paar tausend Euro, um dann endlich in der zweiten Hauptrunde zu landen. Am Samstag war es wohl mal wieder so weit. Aber damit die ganze Geschichte nicht zu langweilig wird, muss das natürlich bis zum Ende ausgereizt werden. Ein Spiel dauert neunzig Minuten? PAH! Die größte Lüge der Menschheit! Wenn man aus Bochum kommt, dann sind der Spieldauerkreativität keine Grenzen mehr gesetzt! Egal, wieviele Fans beim Ansehen oder - hören dabei ihr Leben verlieren, weil das Herz sowas einfach nicht mehr verkraftet. Egal wieviele Hübe Nitro sich Günther Pohl reinpfeifen muss, um das Spiel bis zum Ende kommentieren zu können. Wir machen es spannend und flüchten uns irgendwie in's Elfmeterschießen.
Der normale Bochumer an sich freut sich an diesem Punkt, falls es alle fünf Schützen schaffen sollten, den Ball in Richtung Tor zu befördern, ohne sich ernsthaft dabei zu verletzten. Von Treffern oder gehaltenen Bällen träumt hier nichtmal jemand .. höchstens die Insassen der Klinik in Niederwenigern, die ein paar bunte Pillen zuviel genommen haben.
Trotzdem geschah am Samstag das Unglaubliche - unser Torhüter - Andreas Luthe genannt, den Namen muss man sich echt merken .. wir haben einen Torhüter, der scheinbar nicht nur weiß, wie man Ball buchstabiert und wie so'n Ding aussieht .. nein, der weiß scheinbar sogar, wie man damit umzugehen hat und wie man das Teil sogar daran hindern kann, in's Tor zu fliegen! Also dieser Andi hat es irgendwie geschafft, den ersten Schuss der Rostocker abzuwehren. Alleine das verursachte bei meiner Nachbarin wohl schon einen kleinen akustischen Schock - ich kann aber auch laut kreischen, wenn mich etwas psychisch voll fertig macht.
Nach und nach versenkten dann alle engagierten Bochumer Spieler ihren Ball im Tor .. und nur noch unser Fußballgott Marcel Maltritz (nicht lachen, Günther Pohl hat ihn echt so genannt letzte Saison) musste treffen, um den Sieg perfekt zu machen. Ausgerechnet. Erst geliebt, dann fast auf dem Scheiterhaufen verbrannt, dann wieder akzeptiert .. und ausgerechnet er ... okay, es lastet bestimmt auch fast gar kein Druck auf einem Spieler in der Situation. Er weiß ja schließlich genau, entweder darf er zurück nach Bochum reisen oder er sollte besser direkt auswandern, wobei der Mond ein wirklich attraktives Ziel ist.
Jener Marcel also hatte es auf dem Fuß .. und bewies tatsächlich Nerven und versenkte den Ball im Tor.
Bochum gewinnt 5:7 im Elfmeterschießen und ist damit eine Runde weiter. Bochum in Runde zwei. Ich bin fassungslos, meine Nachbarin wahrscheinlich taub oder zumindest mit lautem Klingeln im Ohr und meine verzeckten Patienten und Kollegen aus Lüdenscheid - Nord zumindest kurzfristig still.
Bis zum 25. Oktober zumindest. Jetzt hoffe ich nur, dass ich das zweite und wahrscheinlich letzte Spiel auch irgendwie mitbekomme und nicht gerade im Flieger Richtung Türkei sitze. Das ist zwar an sich auch toll .. aber Fußball bleibt eben Fußball ..