~Ausgeräumt~
Noch 116 Tage.
Mal sehen, ob ich das alles noch so auf die Reihe bekomme .. vorhin habe ich seit Ewigkeiten mal wieder mit T. telefoniert, um ihr endlich mal zu erzählen, was hier in den letzten Wochen so los war .. aber selbst da war's schon schwierig, sich noch an alles zu erinnern bzw. alles in die richtige Reihenfolge zu bringen. Was hier momentan noch fehlt, ist der letzte Sonntag am Büro ...
Eigentlich war es von unserem Investor und der Insolvenzverwalterin so geplant und besprochen, dass er einen bestimmten Betrag zahlt und dafür die Firma quasi komplett übernimmt. Mit allen Mitarbeitern, mit den Patienten so weit es geht und mit dem Schrott Zeug, was im Büro steht. Das war der Plan. Eigentlich. Da uns von diversen Seiten aber dicke Knüppel zwischen die Beine geworfen wurden, war unser Investor nicht mehr allzu begeistert von dieser Vorgehensweise. Auf die fehlenden Mitarbeiter konnte er zwar gut verzichten - das wären eh diejenigen gewesen, die er anschließend irgendwie gekündigt hätte, auf die Psychocheffamilie konnte er ebenfalls mehr als gut verzichten. Mit den fehlenden Patienten war's schon etwas schwieriger. Worauf er definitiv keine Lust hatte - einen hohen Betrag für das Zeug aus dem Büro zu bezahlen, was entweder eh Schrott ist oder man nicht gebrauchen kann. Die Autos waren eh geleast, also nichtmal da hätte er irgendwas holen können. Wobei wir ja eh neue Dienstautos bekommen haben. So sollte er also für ein Computersystem bezahlen, das man eh verschrotten kann. Das Programm darauf war so grad eben angezahlt, obwohl man damit schon seit langem gerarbeitet hat, hätte also in der Form eh nicht weiter verwendet werden können. Der PC an sich völlig überaltet und langsamer als Papas altes Möhrchen. Die Büroeinrichtung Schrott und aus diversen Secondhand - Möbelläden zusammengesucht. Was bleibt da noch? Richtig. Nichts.
Trotzdem haben Insolvenzverwalterin und Investor sich irgendwie geeinigt und konnten diverse Dinge aus dem Büro mitnehmen. Jetzt war's so, dass mein Lieblingsfauli, Kollegin M. und meine Bimba mit ihrem Freund genau wie ich spontan Heißhunger auf Pizza hatten und wir uns zufälligerweise gegenüber vom Büro in beim Italiener getroffen haben. Zufälle gibt's ... verrückt. Jedenfalls hatten wir anfangs die Möglichkeit, bei der Entrümpelung zuzusehen .. später durften wir dann auch selbst mit anpacken. Gerne.
Vor Ort waren neben der Psychofamilie, dem eigentlich abgeschossenen Schwiegersohn vom Töchterchen und der Insolvenztrulla mit ihrem Mann auch unsere Leute, also unser Investor, dessen Schwiegersohn und natürlich O. und N.. Der Laden platzte quasi aus allen Nähten. Schon nach wenigen Minuten kam Töchterchen mit ihrem Kerl durch die Tür und verschwand. Etwas später stürmte unser Investor mal nach draussen, schimpfte scheinbar in sein Telefon und verschwand wieder. Herr B. kam nach draussen, stieg in seinen Privatwagen (den ich vorher noch nie gesehen habe - immerhin fährt er die ganze Zeit mit dem Firmenwagen) und fuhr weg. Irgendwann kam dann der Schwiegersohn durch die Tür, um sein Auto zu holen. Scheinbar hatte man sich im Büro wirklich auf irgendwas geeinigt.
Wir bekamen ein Zeichen und durften mit tragen helfen. Mit komischem Gefühl im Bauch .. aber was soll's. Im Büro herrschte pures Chaos. Psychochef stand überall im Weg, lief den Leuten hinterher um zu kontrollieren, ob auch wirklich nur die erlaubten Dinge mitgenommen wurden. Psychocheffin saß hinter der Theke und keifte die ganze Zeit, dass sie sowas ja noch nie erlebt hätte, wir sollten uns schämen, sie hätte dreizehn Jahre anständig und ehrlich gearbeitet und jetzt müsse sie sich so etwas gefallen lassen. Die Cheffin der roten Pest hätte doch Recht gehabt, wir alle von da - also N., mein Lieblingsfauli, J., meine Bimba und ich - wären ja sowas von falsch und der Untergang einer jeden Firma, sie hätte uns niemals einstellen dürfen ... so ging das in einer Tour. Zwischendrin brüllte sie immer mal wieder, sie würde sich das nicht gefallen lassen und jetzt sofort die Polizei rufen .. unser Investor quittierte das mit einem freundlichen Lächeln und einem ebenso freundlichen "Machen Sie das doch mal".
Interessant wurde es, als man feststellte, dass die vorhandenen Computer nicht diejenigen waren, mit denen man in der letzten Zeit gearbeitet hatte. Die wichtigen Rechner wurden ausgetauscht gegen uralte Möhrchen .. wohl in der Hoffnung, dass es niemandem auffällt. Dumm gelaufen - es ist aufgefallen. Großes Theater, wer denn die Computer versteckt hätte. Psychocheffin keifte weiter, sie würde so etwas nie tun, sie sei ja eine ehrliche Frau, das sei alles eine böswillige Unterstellung .. Die Insolvenztrulla wirkte einmal mehr ziemlich genervt und ratlos. Wer anschließend mit wem was besprochen hat, habe ich nicht mehr mitbekommen .. ich war mit Tragen diverser Kisten beschäftigt. Zwischendurch stand mit Psychochef mehrere Male im Weg und war der Meinung, dumme Sprüche ablassen zu müssen. Ausnahmsweise mal Herrscherin über meine Zunge habe ich mich wenigstens nicht zu irgendwelchen Reaktionen hinreißen lassen .. nur ein Mal, als er mir deutlich im Weg stand, musste ich ihm versehentlich den Ellenbogen in den Bauch rammen, damit ich mit meinem Gepäck an ihm vorbei komme.
Eigentlich hätte ich ihm meinen Ellenbogen auch gerne in andere Körperbereiche gerammt, vor allem mitten in's Gesicht. Ständig dieses ekelhafte, überlegene, fiese Grinsen .. nicht nur bei mir stieg der Wutpegel in den roten Bereich. Aber immerhin, wir haben es alle geschafft, uns irgendwie zu beherrschen.
Vor der Tür wurden die Autos mit allen brauchbaren Dingen vollgestopft .. als plötzlich Herr B. wieder mit seinem Dienstwagen auftauchte. Autotausch? Nanu? Unser Investor stiefelte direkt zum Kofferraum .. und hat ab dem Moment das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekommen. Im Kofferraum lagen die fehlenden Computer und Monitore. Psychocheffin wurde akut etwas stiller .. wie sollte sie das jetzt auch erklären? Herr B. bekam eine wunderbare Strafpredigt von der Insolvenzverwalterin .. die angedrohten Konsequenzen haben selbst ihn kurzfristig etwas blasser werden lassen.
Im Endeffekt haben wir einiges aus dem Büro retten können, zumindest die Dinge, die wir für unsere bis dahin vorhandenen Patienten dringend brauchten. Und immerhin hat die Psychofamilie erstmal kein Computersystem mehr .. das heißt, es dürfte für sie sehr schwierig werden, an die Kontaktdaten der Patienten heranzukommen, von denen keine Akte im Büro existiert. Für mich ist das äußerst gut.
Nett am Rande - die Firma, von der die Hälfte der Autos geleast wurde, stand am Sonntag natürlich auch schon auf der Matte, um die Autos einzusammeln. Bedeutet, dass der angeblich noch weiter arbeitende Pflegedienst weder ein Computersystem hat, mit dem es eine vernünftige Tourenplanung zustande bringen könnte, noch dass sie Autos haben, um die Patienten anzufahren. Okay, dass sämtliche Patienten an andere Pflegedienste verkauft wurden, konnten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen .. aber wir sehen ja jetzt, wie gut das funktioniert.
So, das war der Sonntag. In groben Zügen. Es fehlt noch die kleine Geschichte, die mindestens der strohdummen Tochter eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung einbringen wird .. aber die kommt gesondert. Ich brauch jetzt erstmal mein Buch. Und meinen Balkon.