~unten durch~

Veröffentlicht auf von p.

Noch 87 Tage.

Heute habe ich mich dann wohl bei unserer Pseudodozentin entgültig unbeliebt gemacht. Aber meine Diplomatie hat irgendwann Hals über Kopf den Raum verlassen, weil selbst sie das Ganze nicht mehr ertragen konnte.

Wir hatten ja schon öfter das Vergnügen mit dieser Frau. Die Tage, an denen sie das vorgegebene Thema komplett ignoriert und stattdessen lieber von ihrer beinahe ertrunkenen Tochter, ihrem Eheleben, ihrer Arbeit als WasWeißIchNicht und den Krankheiten ihrer restlichen Familie erzählt hat. Geplante Themen mussten verschoben werden, weil sie sich nicht darauf vorbereitet hatte. Ja nee, is klar. Kann man sowas nicht trotzdem durchziehen? Weil man eigentlich Ahnung von dem Thema haben sollte? Aber wahrscheinlich ist das zu viel verlangt ...

Letztes Mal hatten wir ja schon lustige Diskussionen über das wertfreie Aufnehmen von Informationen. Sie war dann der Meinung, dass sie in der Lage ist, eine Gespräch mit einem Patienten völlig wertfrei aufzunehmen. Da war sie allerdings auch die Einzige im Raum. Der Rest der Leute hat versucht ihr zu erklären, dass man automatisch immer wertet, wenn jemand etwas erzählt. Nicht nur über den Inhalt sondern dass auch die Tatsache damit 'reinspielt, wie sympatisch mir jemand ist oder wie jemand etwas erzählt. Aber nein, sie wertet nicht. Ich habe sie gefragt, ob sie das auch völlig wertfrei aufnehmen würde, wenn ich ihr jetzt in's Gesicht sage, dass ich sie für inkompetent und fehlbesetzt für die Dozentenstelle hier halte. Nein, auch das würde sie nicht werten. Ist klar. Ich hätte dann bestimmt auch gar nicht verschissen sondern sie würde mich bestimmt direkt auf 'nen Kaffee einladen.

Heute hatten wir dann das tolle Thema Pflegeplanung. Macht in der palliativen Pflege richtig viel Sinn, besonders wenn ein größerer Teil der Patienten stirbt, bevor ich eine Planung überhaupt geschrieben habe. Sinnvoll ist die Planung auch mit dem Hintergrund, dass sich der Zustand quasi täglich massiv verändern kann, so dass ich gestern noch jemanden duschen konnte, den ich heute nichtmal aus dem Bett bekomme. Aber gut, sprechen wir über eine Planung.

Eigentlich wird so ein Ding auch immer noch in Nah - und Fernziele aufgeteilt. Ohne jetzt besonders bösartig klingen zu wollen .. aber Fernziele? In der Palliativpflege? Überlegen wir noch einmal ganz kurz, was alle Palliativpatienten so gemeinsam haben und was sie von den regulären Patienten unterscheidet. Achso, dass ist die relativ überschaubare Lebenserwartung? Tatsache? Mhm. Was mach ich denn dann nur mit meinen Fernzielen?

Meinen Hinweis, dass wir eine Weiterbildung in der Palliativversorgung machen, hat sie dann irgendwie erstmal ignoriert. Klar, sonst hätte sie den Rest ihrer Unterrichtsinhalte auch direkt in die Tonne kloppen können.

Kurze Zeit später kamen wir dann auf das Thema Mobilisation, dass jede Pflegekraft das ja auf die gleiche Art und Weise machen muss. Egal, wie groß oder klein die Pflegekraft ist. Es muss die gleiche Technik angewendet werden und das muss dann auch so in der Planung stehen. Klar. J., die irgendwie halb so breit ist wie ich und eine kaputte Schulter hat, kann die Leute auch bestimmt auf die gleiche Art und Weise mobilisieren wie ich.

Dann wurde es langsam wirklich absurd. Es ging um die Planung die ich mache, wenn einer meiner Patienten zum Beispiel einen Schlaganfall hat und ich den wieder mobilisieren möchte, so dass der inein paar Wochen vielleicht wieder mit dem Rollator laufen kann. Hallo? Sonst geht's noch? Zur Erinnerung. Wir befinden uns immer noch in der Palliativpflege. Das bedeutet, dass meine mir anvertrauten Patienten in absehbarer Zeit sterben werden, weil ihre Erkrankung nicht mehr therapierbar ist und Medikamente und ähnliches nur noch zur Linderung, nicht aber zur Heilung eingesetzt werden. Das bedeutet bei einem Großteil der Leute, dass sie übelste Schmerzen haben und massiv auf fremde Hilfe angewiesen sind. Und die soll ich dann nach einem Schlaganfall noch mobilisieren und therapieren? Da soll ich ein Ziel formulieren, dass derjenige bald wieder mit dem Rollator laufen kann? Sicherlich ..

Ich habe sie dann nochmal darauf hingewiesen, in welcher Weiterbildung wir uns befinden und was das für unsere Patienten bedeutet. Ihre einzige Reaktion - ein Druck auf die Maustaste, um die nächste, unsinnige Folie an die Wand zu werfen.

Irgendwann waren wir dann beim Thema Dokumentation allgemein, wie wichtig das doch sei und dass sie den Anspruch hat, dass eine Doku so geführt ist, dass sie ohne eine Übergabe zum Patienten fahren kann und anhand der Berichte dort genau weiß, wie es demjenigen geht und wie sie was zu machen hat.

Kurz danach sprach sie die Dokukontrolle durch die PDL an .. und dass man ja keine Pflegeplanung nur anhand der Doku schreiben könne, dazu bräuchte man den Patienten. Achja? Wieso? Wenn die Doku so toll geführt ist, wie sie den Anspruch erhebt und wie das alles sein soll .. dann steht im Berichteblatt alles drin, was ich wissen muss, um eine neue Planung zu schreiben bzw. die Alte zu evaluieren. Nein, aber auch das würden wir falsch sehen. Dazu bräuchte man den Patienten. Wie gut, dass ich dieses Mal nicht alleine mit ihr diskutieren durfte. Irgendwann mittendrin, ohne jegliche Zeichen von Einsicht oder Verständnis war dann auf einmal die nächste Folie an der Wand ..

Und so ging das die ganze Zeit. Ein kompletter Tag völlige Zeitverschwendung, weil sie mir zum Einen nichts erzählt hat, was ich nicht schon wusste .. und weil der ganze Tagesinhalt mal wieder nichts mit einer Palliativpflege zu tun hatte. Auf beide Punkte habe ich sie mehr oder weniger deutlich hingewiesen .. was zur Folge hatte, dass sie mich die nächste Zeit versucht hat zu ignorieren. Wären wir in der Schule gewesen, hätte sie mich bestimmt auch gerne vor die Tür gesetzt. Dumm gelaufen, dass sie das hier nicht konnte ...

Wunderbar, wenn man etwas lernen soll und sämtliche Unterrichtseinheiten komplett am Thema vorbei gehen. Ich bin begeistert, ernsthaft. Das kann mittlerweile nichtmal mehr der Tee ausgleichen.

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Veröffentlicht in ~@work~

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