~Vielen Dank, liebe DoGeWo~
Noch 19 Tage.
Heute Morgen haben es drei Herren der Schöpfung geschafft, mich innerhalb von kürzester Zeit auf hundertachtzig zu bringen .. noch ein Wort, und ich wäre denen an die Kehle gesprungen. Mich so richtig, richtig wütend machen .. okay, momentan vielleicht leichter als sonst .. aber selbst der Chef mit seinen irren Ideen bringt mich nicht so sehr zur Weißglut, wie die drei Arschlöcher (oh .. ups?) heute morgen ..
Frau L. soll in die Kurzzeitpflege. Sie selbst hat da jetzt weniger Lust drauf, aber ihre Betreuerin findet, das sei eine gute Idee und setzt sich einfach mal durch. Frau L. ist eine liebe und nette Person, hat generell keine Lust auf Streit und ordnet sich auch in diesem Fall lieber unter. Begeisterung ist etwas anderes .. aber sie nimmt es hin.
Heute war dann der große Tag, die Betreuerin hat sich laut Aussage um alles gekümmert bis auf die Termine mit der Physiotherapeutin abzuändern, dem Pflegedienst bescheid zu sagen, die Taschen zu packen, der Fußpflegerin bescheid zu sagen, der Friseuse bescheid zu sagen, auch der Transport war bestellt. Ausnahmsweise kein Taxi oder Krankentransport - wäre vielleicht sinnig gewesen, weil Frau L. nicht unbedingt laufen kann - sondern diesen seltsamen Fahrdienst von irgendeiner Dortmunder Gesellschaft. Man beachte das Wort Fahrdienst.
Ausnahmsweise hatte ich heute die Ehre, die gute Frau ein letztes Mal zu besuchen und für ihren Trip reisefertig zu machen. Kein Thema .. sowas lieb ich ja. Ich war sogar pünktlich da, die Frau nochmal gründlich von oben bis unten geschrubbt und eingefettet, gestylt und in die passenden Klamotten geworfen. Zum Zustand der Füße sag ich jetzt mal nichts .. weil dann würde ich ja wieder den lieben und total fähigen Kollegen an die Karre pinkeln. Die sollen auch nicht das Thema sein.
Die Warterei verkürzten Frau L. und ich uns damit, dass ich schonmal sämtliche Koffer und Taschen und Transportmittel und Tüten in die Nähe bzw. vor der Wohnungstür parkte, damit wir später alles griffbereit hatten und nicht noch durch die Wohnung rennen mussten.
Pünktlich um kurz vor zehn klingelte dann der bestellte Fahrdienst und drei Männchen wanderten die Treppen nach oben. In die zweite Etage übrigens. Höflich wie ich nunmal bin, habe ich die Wohnungstür aufgelassen in dem Irrglauben, einer von denen würd mal 'reinkommen und hallo sagen oder so. Aber nö. Der Fahrdienst blieb vor der Tür stehen, während ich Frau L. die letzten Westen und Jacken um den Oberkörper wickelte. Ein Blick auf den Flur .. die drei Typen stehen immer noch vor der Tür. Neben ihnen die beiden Koffer, die zwei Taschen, der Rollator und der zusammengeklappte Rollstuhl. Okay, ich hätte vielleicht in der Zwischenzeit schonmal einen Koffer nach unten gebracht .. aber wer bin ich denn, dass ich deren System kritisiere?
"Ihr wisst aber, dass Frau L. die Treppen nicht laufen kann und sie im Stühlchen getragen werden muss?"
"Wissen wir. Soll in den Rollstuhl. Tragen wir dann."
Aha. Okay. Ich mir dann also den Rollstuhl ausgeklappt und Frau L. aus der Wohnung in den Stuhl gebracht. Sie bemerkte in der Zwischenzeit ihre Koffer und Taschen und alles andere .. und meinte dann, dass ihre Sachen aber auch mitgenommen werden müssten. Ausserdem sei da noch ein elektrischer Rolli im Keller, der müsse auch noch mit.
Die drei Arschlöcher (tschuldigung .. ich merke gerade, wie mein Blutdruck wieder dezent ansteigt) guckten sich an .. und dann meinte der eine mit 'nem Schulterzucken: "Wir sind nur der Fahrdienst."
"Ja .. und was heißt das? Die Sachen müssen doch trotzdem mit, das hat meine Betreuerin doch so gesagt."
"Ja, aber wir sind der Fahrdienst. Das müssen sie dann mit der Betreuung klären."
"Ich kann die doch jetzt nicht anrufen .. das ist mein Gepäck, das muss ich doch mitnehmen!"
"Aber wir sind nur der Fahrdienst."
"Passt das alles nicht in's Auto?"
"Wir sind der Fahrdienst ... wir sind kein Umzugsunternehmen!"
An der Stelle musste ich das Gespräch kurzzeitig unterbrechen.
"Und was heißt das jetzt? Was ist mit dem Gepäck?"
"Wir sind nur der Fahrdienst .. mitnehmen könnten wir das, wenn's unten steht."
"Und das heißt jetzt? Wenn's unten steht?"
"Ja, dann nehmen wir das halt mit ..."
Das bedeutete dann so viel, dass sich zwei Männchen damit befassten, Frau L. in ihrem Rollstuhl die Treppen aus der zweiten Etage! herunterzutragen.. und sämtliche Koffer, Taschen, der Rollator, der Abfallbeutel, meine Unterlagen und alles andere noch tragbare vor der Tür stehen blieb und in meinen Aufgabenbereich fiel. Ich bin übrigens nur der Pflegedienst und kein Umzugsservice .. aber das scheinen die drei auch nicht gerafft zu haben.
Während die sich also jammernd und stöhnend auf den Weg nach unten machten, durfte ich mit dem ganzen Gepäck hinterherlaufen. Aus der zweiten Etage. Zwei nicht wirklich leichte Koffer. Zwei nicht wirklich leichte Taschen. Die Handtasche. Der Rollator. Mein Kram. Insgesamt drei Mal durfte ich laufen, bis dann endlich alles unten war. Und diese hirnverbrannten Vollidioten standen unten und warteten .. der Eine, der mit leeren Händen(!) die Treppen 'runter gelaufen war, besaß auch noch die Dreistigkeit, auf die Uhr zu schauen .. sie wären ja schon spät dran und hätten noch andere Termine ...
Ich vermute, diese Comiczeichnungen mit dem qualmenden Kopf und dem Dampf aus den Ohren sind bekannt? Wenn Blicke hätten töten können, hätte ich Frau L. später in die Kurzzeitpflege bringen müssen .. aber das wäre mir dann auch egal gewesen.
Manchmal bekommt man aber wenigstens eine kleine Chance zur Rache ..
Es fehlte nämlich immer noch der Elektrorolli aus dem Keller. Fahrdienstmensch Nummer Zwei ging das wohl alles zu langsam und er watschelte in den Keller, um sich den Rolli selbst zu holen. Oh Wunder. Seine beiden Kollegen warteten in der Zeit dann schonmal am Auto.
Dummerweise ist so ein Elektrorolli ja recht schwer .. und für so eine recht enge Kellertreppe auch nicht unbedingt handlich genug .. Dementsprechend unentspannt sah Fahrdienstmännchen Nummer Zwei aus, als er auf der Hälfte der Strecke stehen blieb und mich schnaufend ansah.
Ich war immerhin so freundlich und wollte ihm die Tür aufhalten .. aber beim Tragen helfen? Ich?
"Ist schon schwer der Rollstuhl ..."
"Ja, weiß ich ... ich würd auch total gerne helfen, aber meine Hände und Knie zittern grad so sehr von dem vielen Laufen und schweren Koffer und Taschen tragen .. das schaff ich jetzt nicht .. ich bin ja auch nur 'ne Frau .. "
Aber immerhin habe ich ihm die Tür weiter aufgehalten, bis er Minuten später mit dem Ding die Treppe geschafft hatte. Böse Giftblicke in meine Richtung abfeuernd inklusive.
Ich hoffe, die haben Frau L. wenigstens vernünftig bei der Kurzzeitpflege abgesetzt ..
Sowas ist mir echt noch nicht passiert .. und ich bin grad stark am Überlegen, ob ich der Gesellschaft nicht 'ne bitterböse Email schreiben soll .. wenn man schon Leute im Fahrdienst einsetzt, dann sollten die zumindest etwas menschenfreundlicher sein ..
Aber was will ich von Dortmundern erwarten?