~lachhaft~
Noch 64 Tage.
Bevor der Ärger morgen in die nächste Runde geht, muss ich zumindest einmal kurz die letzte absolut lachhafte Aktion meines lieben Chefs loswerden. Vor ein paar Tagen hatten wir ja den MDK im Haus. Alles nicht ganz so perfekt gelaufen - aber manche Dinge waren uns auch schon vor einem halben Jahr klar - dass die Leute da zu doof zum Schreiben sind zum Beispiel. Oder dass das Blutdruckmessen wichtiger ist als alles andere. Alles Punkte, die wir vor vielen Monaten schon angesprochen haben, die der Chef aber mit einem Schulterzucken ignoriert hat. Ist ja alles nicht so schlimm.
Jetzt hat er mehr oder weniger schwarz auf weiß bekommen, wie schlimm es eigentlich doch ist .. und schwupps, muss sich erstmal alles von jetzt auf gestern ändern. Jetzt will er auf einmal innerhalb von drei Tagen nachholen, was er die letzten Monate versaut hat? Schon klar ..
Unser altes Team aus Castrop ist ihm nicht geheuer, das merkt man. Wir verstehen uns alle viel zu gut, versuchen uns gegenseitig immer irgendwie zu helfen, haben Spaß miteinander und auch an der Arbeit .. und sein größtes Problem ist wahrscheinlich, dass er weiß, dass wir zwar hinter N. und O. stehen .. aber nicht wirklich hinter ihm. Auch viele von den neuen Kollegen verstehen sich mit den beiden aus dem Büro viel besser als mit ihm .. das scheint sein Ego eindeutig nicht zu verkraften. Wir sitzen hinten mit im Büro - das dann quasi auch als Raucherecke mit benutzt wurde - lachen, quatschen und versuchen, die beiden nicht zu sehr von der Arbeit abzulenken. Alles Dinge, die dem Chef eindeutig nicht in den Kram passen.
Deswegen gab's am Freitag eine neue Anweisung. Normalerweise werden Dienstanweisungen immer nur von O. oder N. geschrieben - klar, sie sind als PDLs ja auch unsere Vorgesetzten. Dieses Mal geht die Anweisung also vom Chef aus .. und sorgt bei mir schon wieder für eine pochende Halsschlagader. Seit Freitag ist nämlich dann das Rauchen in den Büroräumen strengstens untersagt - ach, ist unsere neue PDL etwa Nichtraucherin und hat sich beschwert? Ausserdem dürfen wir das Büro von N. und O. nur noch dienstliche betreten, keine Privatgespräche dort mehr führen - also die beiden nicht von der Arbeit ablenken - und unsere rein dienstlichen Fragen so kurz wie möglich stellen. Keine Diskussionen da mehr, keine längeren Gespräche. Ab sofort ist das alles untersagt. Das haben dann auch bitte alle Mitarbeiter zu unterschreiben. Möchte jemand raten, wer sich weigert, so einen Wisch zu unterschreiben?
Die beiden Betroffenen sind von diesem Zettel übrigens genau so genervt .. ich konnte es ja am Freitag nicht lassen, einige dumme Sprüche abzulassen .. und bekam jedes Mal von N. die lautstarke Meldung, dass sie diesen scheiß Zettel nicht geschrieben hätte.
Ob der Chef wohl merkt, dass er sich damit dezent lächerlich macht? Ach, was frage ich .. natürlich merkt er es nicht. Wie sollte er auch - weiß er wahrscheinlich nichtmal, wie man lächerlich schreibt oder was genau das ist.
Naja, die nächste Explosion wird es dann wohl morgen geben. Am Donnerstag fiel den werten Bürotanten plötzlich ein, dass wir ja zwingend eine Dienstbesprechung abhalten müssen. Klar müssen wir das .. aber schon seit einem dreiviertel Jahr. Also wozu jetzt die Panik? Jetzt wurde diese dringende Besprechung für Montag angesetzt. Ja genau, für Montag. Der Tag, an dem viele andere direkt frei haben. Wir dürfen da halt länger bleiben. Das Tolle ist - ich habe mit N. schon vor zwei Wochen abgemacht, dass ich an diesem Tag bitte einen möglichst kurzen Dienst haben möchte .. weniger, um anschließend feiern zu gehen .. mehr, um irgendwie noch nach Hause zu kommen. Vor vielen Jahren kamen nämlich die Bochumer auf die Idee, den Lindwurm auf die Menschen loszulassen. Und dieses Viech wächst und gedeiht seit der Zeit prächtig, so dass mittlerweile viele, viele, viele Menschen an diesem Tag über meine Straßen ziehen und feiern. Das bedeutet für mich als quasi - Anwohner: Entweder an den Tag das Haus gar nicht erst verlassen .. oder früh genug wieder zuhause sein, da ab zwölf die Straßen gesperrt und ab spätestens zwei völlig dicht sind. Seit Jahren sehe ich also zu, entweder frei zu bekommen .. oder einen so kurzen Dienst zu fahren, dass ich möglichst vor zwölf zuhause .. und nicht irgendwo auf der Straße stehe und bis abends meinem Zuhause unerreichbar fern bin.
So auch der Plan für dieses Jahr und eben frühzeitig mit N. gesprochen. Frei bekomme ich nicht - das haut einfach nicht hin. Durch die ganzen Wundversorgungen kann ich auch nicht wirklich eher Feierabend machen .. aber vielleicht schaffe ich es wenigstens bis zwölf oder so. Nur eine Dienstbesprechung um halb zwei .. die werde ich mit Sicherheit nicht mitmachen - schon alleine deswegen nicht, weil es nichts gibt, was die mir da erzählen können, was ich nicht schon lange weiß. Und wer so saublöd ist, eine Besprechung auf den Rosenmontag zu legen .. der hat es auch nicht anders verdient. Auch diesen Zettel habe ich nicht mit meinem Handzeichen gekürzelt - zumal das Ding in handschriftlicher Form am Schrank klebte.
Mir ist es auch egal, wenn da morgen jemand 'nen cholerischen Anfall bekommt. Dann soll er mich halt 'rauswerfen .. wen interessiert's?
Ich hab auf alle Fälle jetzt schon wieder dezente Wutausbrüche, wenn ich nur an morgen denke. Das geht jetzt seit Freitag so. Schön, wenn man sich das ganze Wochenende damit quasi vermiest, weil man gedanklich nicht abschalten kann. Sowas liebe ich.